Resilient im Gegenwind

Die Fahrradwirtschaftsverbände haben heute die Marktdaten der Branche für das Geschäftsjahr 2025 vorgestellt. Trotz eines anspruchsvollen Umfelds konnte sich die Branche behaupten und auf gutem Niveau stabilisieren. ZIV – Die Fahrradindustrie, der Verbund Service und Fahrrad (VSF) und Zukunft Fahrrad blicken vorsichtig optimistisch auf die Entwicklung: Die Herausforderungen waren 2025 weiterhin spürbar, doch die Fahrradwirtschaft hat ihre Stärke und Widerstandsfähigkeit erneut unter Beweis gestellt.
Für 2026 sehen die Verbände – insbesondere durch Potenziale im Leasing sowie durch die weitere Professionalisierung der Werkstattleistungen – zusätzliche Wertschöpfungschancen für die gesamte Branche.

 

Fahrräder und E-Bikes
Produktion stabil, E-Bikes weiterhin dominant
Im Jahr 2025 gab es in Deutschland insgesamt 90,6 Millionen Fahrräder und E-Bikes – ein Plus von über 25 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Die Produktion von Fahrrädern stieg um 3 Prozent auf 658.000 Stück, während die E-Bike-Produktion um 3 Prozent auf 1.285.000 leicht zurückging. Insgesamt blieb die Produktion damit stabil. Der Umsatz aus dem Verkauf von Rädern und E-Bikes sank um 7,7 Prozent auf 5,85 Milliarden Euro, ein deutlich geringerer Rückgang als im Vorjahr.

Es wurden 3,8 Mio. Räder verkauft. Das ist ein leichter Rückgang zum Vorjahr um 3,9 Prozent. Der Rückgang fiel bei E-Bikes stärker aus als bei Fahrrädern. Der Marktanteil lag bei 52,7 Prozent für E-Bikes und 47,3 Prozent für Fahrräder. Mit rund 2 Millionen verkauften E-Bikes bleibt der Absatz dennoch auf hohem Niveau. Insgesamt sind inzwischen über 17 Millionen E-Bikes in Deutschland unterwegs – im Vergleich zu rund 2 Millionen E-Autos ein deutlicher Vorsprung innerhalb der E-Mobilität.

 

Exporte steigen, Lagerbestände normalisieren sich weiter
Die durchschnittlichen Verkaufspreise für E-Bikes gaben leicht nach, während klassische Fahrräder preislich stabil blieben. Rabattaktionen setzten die Preise zwar unter Druck, doch die anhaltend hohe Nachfrage nach Renn- und Gravelrädern sorgte hier für Stabilität. Die Exporte stiegen in beiden Segmenten: Fahrräder um 10 Prozent, E-Bikes sogar um 12 Prozent. Insgesamt wurden 1,39 Millionen Fahrräder exportiert – ein Niveau, das wieder an das des Jahres 2023 anknüpft. Gleichzeitig bauen Handel und Industrie ihre teils noch gut gefüllten Lager weiter ab, ein normales Niveau dürfte bis Ende dieses Jahres wieder erreicht werden.

Burkhard Stork, Geschäftsführer des ZIV – Die Fahrradindustrie:
«Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich die Fahrradbranche auf einem stabilen Niveau einpendelt. Natürlich gibt es Schwankungen, doch beweist die Branche auch 2025 ihre Robustheit. Besonders bemerkenswert: Die Nachfrage nach Fahrrädern ist weniger konjunkturabhängig als oft angenommen. Der Mix verschiebt sich etwas – aktuell steigt der Anteil klassischer Räder, während der E-Bike-Markt sich auf hohem Niveau leicht korrigiert. Insgesamt bleibt die Fahrradwirtschaft ein verlässlicher Garant für langfristige Wertschöpfung.»

 

Dienstradleasing und Refurbishment
Leasing trotzt den Herausforderungen, 60.000 neue Arbeitgeber belegen Wachstumspotenzial
Die jährliche Studie von Deloitte und Zukunft Fahrrad zeigt: Der Gesamtumsatz beim Dienstradleasing lag 2025 mit 2,8 Mrd. Euro das zweite Jahr in Folge leicht unter dem Vorjahr. Auch die Zahl der neu geleasten Diensträder ging um fünf Prozent auf 0,72 Mio. zurück. Die Flotte wächst aufgrund der insgesamt starken letzten drei Jahre dennoch weiter und umfasste 2025 rund 2,2 Mio. Diensträder. Gleichzeitig steigt die Nutzung: Der Anteil der Beschäftigten, die das Angebot tatsächlich nutzen, wuchs von rund 8 Prozent der potenziellen Nutzer:innen im Jahr 2021 auf 11 Prozent im Jahr 2025. Hier steckt weiterhin großes Potenzial – insbesondere, wenn die Rahmenbedingungen fürs Fahrradfahren insgesamt verbessert werden und sich mehr Menschen für das Rad begeistern können. Auch die Zahl der für das Fahrrad engagierten Arbeitgeber steigt: Inzwischen bieten mehr als 340.000 Unternehmen ihren Mitarbeitenden Dienstradleasing als Benefit an.

 

Refurbishment-Markt wächst – endlich entsteht ein Markt für «gute Gebrauchte»
Mit der wachsenden Zahl an Leasingrückläufern gewinnt zudem der Refurbishment-Markt an Bedeutung. Professionell aufbereitete, hochwertige Gebrauchträder haben inzwischen einen nennenswerten Anteil am Gesamtmarkt. Seit 2023 ist die Zahl der jährlich verkauften Refurbished-Räder um rund 192 Prozent gestiegen. Wachsende Akzeptanz über alle Einkommensgruppen hinweg und eine zunehmende Internationalisierung sorgen für sehr positive Perspektiven.

Wasilis von Rauch, Geschäftsführer von Zukunft Fahrrad:
«Das Dienstradleasing bleibt ein essenzieller Stabilisator der Fahrradwirtschaft – insbesondere für hochwertige Räder aus dem Fachhandel. Nach dem rasanten Wachstum der Rekordjahre normalisiert sich der Markt zwar, doch neben über 60.000 neuen Arbeitgebern, die Leasing anbieten, liegen enorme Chancen auch in einer wachsenden Konversion. Gleichzeitig eröffnet der Refurbishment-Markt neue Perspektiven: Die Rückläufer aus dem Leasing bieten ein großes Potenzial, um hochwertige Räder für mehr Menschen zugänglich zu machen. Hier liegen echte Chancen – für eine smarte Kreislaufwirtschaft und attraktive Angebote für breitere Zielgruppen.»

 

Fachhandel
Service bietet Perspektiven für den Handel
Trotz des Rückgangs in den letzten Jahren liegt der Umsatz in den Fachgeschäften deutlich über dem Niveau der Vor-Corona-Zeit und die durchschnittlichen Verkaufspreise blieben stabil. Das Werkstattgeschäft befand sich mit einer Umsatzsteigerung von +13,5 Prozent im Jahr 2025 weiterhin auf Wachstumskurs.

«Aus unserer Sicht ist die Servicequalität entscheidend für die Entwicklung des stationären Fachhandels», sagt Uwe Wöll, Geschäftsführer des VSF. Stimme die Leistung durch attraktive Angebote aus dem Leasing, durch innovative Produkte wie Gravel oder Light E-Bikes, oder ganz direkt durch schnelle und zuverlässige Werkstattarbeit, werde sich der Fahrrad-Fachhandel keine Sorgen machen müssen. «Gelingt uns dazu eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Industrie, Dienstleistung und Handel, schauen wir auf eine positive Entwicklung des gesamten Fahrradmarktes», so Wöll.

Die Fahrradwirtschaft hat den Schwankungen der vergangenen Jahre nicht nur standgehalten, sondern sich auf hohem Niveau konsolidiert. Dabei bieten sich insbesondere im Service, beispielsweise bei Versicherungen und Werkstätten, noch viele Möglichkeiten entlang der Wertschöpfungskette. Aus dem Boom der Vorjahre ist ein robustes, stabiles Volumen gewachsen. Damit hat die Fahrradbranche weiterhin alle Grundlagen, den Markt innovativ und dynamisch zu entwickeln. U.a. wird entscheidend sein, ob es gelingt, neue oder bislang unterrepräsentierte Zielgruppen wie Frauen und Kinder konsequenter anzusprechen. Gute Rahmenbedingungen, Sicherheit im Fahrradalltag und Gleichbehandlung bei den Förderungen der Verkehrsmittel werden helfen, das Fahrradfahren für mehr Menschen attraktiv zu machen – hier ist die Politik gefragt.

Bu: Geschäftsführer Fahrradverbände (v.l.n.r. Uwe Wöll | VSF, Wasilis von Rauch |

Quelle Text/Bild:
ZIV Zweirad-Industrie-Verband e.V.
Reinhardtstr. 7
10117 Berlin

www.ziv-zweirad.de

Berlin, 11.03.2026

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